LNG Terminal Monitoring Dashboard

LNG-Terminal Monitor 2026

Flüssigerdgas als Rückgrat der deutschen Energieunabhängigkeit. Kapazitäten, Status und Prognosen.

Aktuelle Terminal-Auslastung & Status

Tägliches FSRU-Monitoring auf Basis von Bundesnetzagentur- & Betreiberdaten

Stand: 18.10.2026
Wilhelmshaven 1
FSRU Höegh Esperanza
Aktiv
Kapazität: 7,5 Mrd. m³/Jahr
Auslastung 80%
Brunsbüttel
FSRU Höegh Gannet
Aktiv
Kapazität: 3,5 Mrd. m³/Jahr
Auslastung 69%
Mukran (Rügen)
FSRU Energos Power / Neptune
Aktiv
Kapazität: 13,5 Mrd. m³/Jahr
Auslastung 74%
Stade
FSRU Energos Force
Aktiv
Kapazität: 6,0 Mrd. m³/Jahr
Auslastung 63%
Offizielle Daten der Bundesnetzagentur

Deutschlands Gasbezugsquellen 2026

Gesamtimport: ~1.030 TWh / Jahr
Norwegen (Pipeline) Europipe I & II, Norpipe (Nordsee-Offshore)
44 %
Niederlande (Pipeline) Westerbork, Oude Statenzijl
24 %
Belgien (Pipeline & Transit) Eynatten / Zeebrugge-Transit
21 %
Deutsche LNG-Terminals (Direkt) Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Mukran, Stade (>90 % USA)
11 %
Quelle: Bundesnetzagentur (BNetzA) Importstatistiken Stand: September 2026

LNG als strategischer Pfeiler der Energiewende

Die deutsche Energielandschaft hat in den letzten Jahren eine der radikalsten Transformationen ihrer Geschichte vollzogen. Mit dem Wegfall der Pipeline-Importe aus dem Osten wurde die Diversifizierung der Bezugsquellen zur nationalen Priorität. Flüssigerdgas (LNG) spielt hierbei die entscheidende Rolle. Durch die Errichtung eigener Import-Infrastruktur an der Nord- und Ostseeküste hat sich Deutschland von einzelnen Lieferanten emanzipiert und Zugriff auf den globalen Weltmarkt erhalten.

LNG wird bei Temperaturen von etwa -162 Grad Celsius verflüssigt, wodurch sich sein Volumen um das Sechshundertfache verringert. Dieser Prozess ermöglicht den effizienten Transport per Schiff über Ozeane hinweg. In den deutschen Terminals wird das flüssige Gas wieder erwärmt (regasifiziert) und in das nationale Fernleitungsnetz eingespeist. Diese Technologie bietet eine Flexibilität, die starre Pipelinesysteme nicht leisten können.

Importkapazitäten im Vergleich

FSRU-Terminals (Schwimmend)

Schnell einsatzbereit, flexibel stationiert.

33 Mrd. m³

Landgebundene Terminals (In Planung)

Langfristig, höhere Kapazität, H2-Ready.

~25 Mrd. m³

Die wichtigsten Standorte im Detail

Wilhelmshaven: Der Vorreiter

Wilhelmshaven markiert den historischen Beginn der deutschen LNG-Infrastruktur. Das Terminal wurde in rekordverdächtiger Zeit von weniger als zehn Monaten realisiert. Als Tiefwasserhafen bietet der Standort ideale Bedingungen für die größten LNG-Tanker der Welt. Mittlerweile sind zwei schwimmende Einheiten (FSRUs) fest in das Konzept integriert, um die Versorgungssicherheit im Nordwesten Deutschlands zu garantieren.

Mukran (Rügen): Das kontroverse Drehkreuz

Der Standort Mukran auf Rügen gilt als besonders leistungsfähig, da hier direkt zwei FSRUs gleichzeitig operieren können. Dies ermöglicht eine massive Einspeisungsrate, die insbesondere für die Versorgung des ostdeutschen Netzes und der dort ansässigen Industrie von hoher Bedeutung ist. Trotz ökologischer Bedenken hat sich Mukran als technisches Rückgrat für die Gasstabilität in den Wintermonaten bewährt.

Stade & Brunsbüttel: Strategische Ergänzung

Diese Standorte an der Elbmündung dienen nicht nur der aktuellen Gasversorgung, sondern sind von Beginn an als „H2-Ready“ konzipiert. Das bedeutet, dass die Infrastruktur später für den Import von grünem Ammoniak oder Wasserstoff umgerüstet werden kann. Damit fungieren sie als Brücke zwischen der fossilen Vergangenheit und einer klimaneutralen Zukunft.

Infrastruktur-Register

Die deutschen LNG-Standorte im Detail

Standort Einheit / FSRU Technologie Kapazität Status Zukunft (H2)
Wilhelmshaven 1 FSRU Höegh Esperanza Schwimmend 7,5 Mrd. m³/a Aktiv (seit 12/2022) Ammoniak-Knotenpunkt
Brunsbüttel FSRU Höegh Gannet FSRU + Land im Bau 3,5 (später 10) Mrd. m³ Aktiv (seit 01/2023) H2-Ready Terminal
Mukran (Rügen) FSRU Energos Power & Neptune Doppel-FSRU bis 13,5 Mrd. m³/a Aktiv (seit 2024) Versorgung Ostdeutschland
Stade FSRU Energos Force FSRU / HEH im Bau 6,0 (später 13) Mrd. m³ Aktiv (Regulär 2024) Hanseatic Energy Hub (2027)
Hinweis zu Lubmin: Die ehemals im Hafen Lubmin betriebene FSRU Neptune wurde 2024 nach Mukran verlegt. Der Standort Lubmin wird heute als zukünftiger Wasserstoff-Knotenpunkt und Anbindungspunkt für erneuerbare Energien aus der Ostsee ausgebaut.

Ökonomische Auswirkungen auf den Gaspreis

Die Anbindung an den LNG-Weltmarkt hat weitreichende Folgen für die Preisbildung. Während Pipeline-Gas oft an langfristige, starre Verträge gebunden war, orientiert sich der LNG-Preis am globalen Spotmarkt (z.B. Henry Hub in den USA oder JKM in Asien). Dies führt einerseits zu einer höheren Volatilität, bietet aber andererseits die Chance, von globalen Überangeboten zu profitieren.

Durch die Erhöhung der Importkapazitäten sinkt das Risiko von physikalischen Engpässen, was die sogenannte Risikoprämie im Gasmarkt senkt. Dies stabilisiert die Endkundenpreise langfristig. Scigrid analysiert täglich die Differenz zwischen LNG-Preisen und Pipeline-Lieferungen, um Ihnen stets die aktuellste Prognose für Ihre Heizkosten liefern zu können.

Umwelt vs. Versorgungssicherheit

Die Nutzung von LNG steht auch in der Kritik. Der Prozess der Verflüssigung, der weite Transport über die Meere und das sogenannte „Fracking“ bei der Gewinnung (insbesondere in den USA) verschlechtern die CO2-Bilanz im Vergleich zu konventionellem Pipeline-Gas. Zudem gibt es lokale Widerstände gegen den Bau von Terminals in sensiblen Ökosystemen wie dem Wattenmeer oder der Rügener Küste.

Die Bundesregierung rechtfertigt den Ausbau mit der „Versorgungssicherheit als oberster Priorität“. Um den Klimazielen dennoch gerecht zu werden, ist die Laufzeit der Terminals gesetzlich begrenzt, und die Infrastruktur muss für den späteren Umstieg auf klimaneutrale Gase geeignet sein.

Geopolitische Dimension: Wer sind die Lieferanten?

Bei den direkten LNG-Lieferungen an den deutschen Terminals sind die USA mit über 90 Prozent der mit Abstand dominierende Partner, gefolgt von kleineren Tranchen aus Katar, Angola und Trinidad & Tobago. Gleichzeitig sichert Norwegen über 44 Prozent des gesamten deutschen Erdgasbedarfs primär über Offshore-Pipelines (Nordsee) ab. Zudem bezieht Deutschland verflüssigtes Erdgas indirekt über die Großterminals in Rotterdam (Gate) und Zeebrügge. Diese breite Streuung minimiert die politische Verwundbarkeit und sorgt dafür, dass Ausfälle in einzelnen Fördergebieten durch den globalen Weltmarkt flexibel ausgeglichen werden können.

Wussten Sie schon?

Ein einziger moderner LNG-Tanker kann genug Energie transportieren, um eine Großstadt wie Hamburg für etwa zwei Wochen komplett mit Wärme und Strom zu versorgen.

-162°C Verflüssigungs-Temperatur
1:600 Volumen-Komprimierung
3 Tage Dauer der Regasifizierung

Zukunftsblick: Vom Gas- zum Wasserstoff-Terminal

Die Zukunft der deutschen Terminals liegt in der Farbe Grün. Bis 2030 sollen die meisten Standorte in der Lage sein, grünen Wasserstoff oder dessen Derivate zu importieren. Dies ist essenziell für die Dekarbonisierung der deutschen Schwerindustrie (Stahl, Chemie), die große Mengen an sauberer Energie benötigt, die rein regenerativ im Inland kaum erzeugt werden können.

Die LNG-Infrastruktur von heute ist damit der Grundstein für das Wasserstoffnetz von morgen. Wer heute in moderne Gastechnik investiert (H2-Ready), sichert sich gegen die Transformation des Marktes ab.

Häufige Fragen zu LNG

Wird Gas durch LNG teurer?

Kurzfristig war LNG teurer als russisches Pipeline-Gas, da der Transportweg und die Verflüssigung Kosten verursachen. Langfristig jedoch sorgt der globale Wettbewerb für Marktstabilität und verhindert extreme Preissprünge durch Monopolstellungen.

Ist LNG sicher?

Ja, die Transport- und Regasifizierungstechnologie gilt als hochgradig sicher. LNG selbst ist nicht explosiv oder brennbar, solange es im flüssigen Zustand unter extremem Kältedruck steht. Die Sicherheitsstandards in deutschen Häfen gehören zu den weltweit strengsten.

Woher kommt das meiste LNG?

Über 90 Prozent des direkt an den deutschen Terminals (Wilhelmshaven, Brunsbüttel, Mukran, Stade) angelandeten Flüssigerdgases stammen aus den USA. Weitere Lieferungen kommen aus Katar, Angola und Trinidad & Tobago. Der größte Gaslieferant Deutschlands insgesamt bleibt jedoch Norwegen, das Gas direkt über Nordsee-Pipelines einspeist.