Was ist die Marktraumumstellung?
In Deutschland gibt es historisch bedingt zwei verschiedene Gasarten in der öffentlichen Versorgung: L-Gas (Low calorific gas) und H-Gas (High calorific gas). L-Gas stammt überwiegend aus deutschen und niederländischen Quellen, während H-Gas primarily aus Norwegen und per LNG importiert wird. Da die L-Gas-Vorkommen zur Neige gehen und die Förderung in den Niederlanden (Groningen) eingestellt wurde, wird das gesamte Netz in Nord- und Westdeutschland sukzessive auf H-Gas umgestellt.
Dies ist das größte Umstellungsprojekt in der Geschichte der deutschen Energieversorgung. Es umfasst nicht nur das Leitungsnetz, sondern auch jedes einzelne Gasgerät in jedem Haushalt der betroffenen Regionen – vom Gasherd bis zur industriellen Großanlage. Doch keine Sorge: Scigrid zeigt Ihnen, wie reibungslos dieser Prozess für Sie abläuft.
L-Gas vs. H-Gas: Der feine Unterschied
Der Hauptunterschied liegt im Energiegehalt (Brennwert). H-Gas hat einen deutlich höheren Anteil an Methan und liefert pro Kubikmeter mehr Energie als L-Gas.
Wichtige Info
Geräte, die auf L-Gas eingestellt sind, können H-Gas nicht effizient und sicher verbrennen. Daher ist die technische Anpassung (Düsentausch etc.) zwingend erforderlich.
- ✓ CO2-Erhöhung vermeiden
- ✓ Brandschutz gewährleisten
- ✓ Effizienz steigern
Der Fahrplan: Die drei Phasen der Umstellung
Die Umstellung erfolgt nicht von heute auf morgen, sondern ist ein mehrjähriger, sorgfältig geplanter Prozess Ihres Netzbetreibers:
1. Die Bestandsaufnahme (ca. 2 Jahre vor Umstellung)
Ein zertifizierter Techniker Ihres Netzbetreibers besucht Sie, um alle Gasgeräte im Haushalt zu erfassen. Er notiert Marke, Typ und Alter der Geräte. Dieser Besuch ist für Sie kostenlos und dient dazu, die benötigen Ersatzteile (z.B. neue Gasdüsen) für den späteren Termin zu bestellen.
2. Die technische Anpassung (kurz vor oder nach dem Schalttag)
Beim zweiten Termin werden die Geräte konkret angepasst. Meist werden die Brennerdüsen getauscht und die Brennereinstellungen optimiert. In einigen Fällen erkennt das moderne Gerät die neue Gasqualität automatisch (selbstkalibrierend), dann erfolgt lediglich eine Funktionsprüfung.
3. Die Qualitätsprüfung (stichprobenartig)
Nach der Umstellung finden vereinzelte Kontrollen statt, um die hohe Qualität und Sicherheit der technischen Arbeiten sicherzustellen. Auch dieser Termin wird Ihnen schriftlich angekündigt.
Kosten und Erstattungen
Eines vorweg: Die direkte technische Anpassung kostet Sie keinen Cent. Die Kosten für Techniker und Ersatzteile werden über die Netzentgelte auf alle Gaskunden umgelegt. Dies ist gesetzlich im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) geregelt.
Sollte Ihr Gerät jedoch so alt sein, dass es technisch nicht mehr angepasst werden kann (Nicht-Anpassbarkeit), müssen Sie selbst für ein neues Gerät sorgen. Hier gibt es jedoch ein Trostpflaster: In vielen Fällen steht Ihnen ein gesetzlicher Geräteumstellungs-Zuschuss in Höhe von 100 Euro pro Gerät zu, wenn Sie im Zuge der Umstellung auf ein modernes Gerät wechseln.
Zudem bieten viele Bundesländer und Kommunen Förderprogramme für den Austausch alter Gasheizungen gegen moderne Hybrid- oder Wärmepumpensysteme an, was besonders im Kontext der Umstellung finanziell sehr attraktiv sein kann.
Woran erkenne ich autorisierte Techniker?
Leider nutzen Betrüger solche Projekte manchmal für ihre Zwecke. Beachten Sie daher folgende Regeln:
- Schriftliche Ankündigung: Der Termin wird immer mehrere Wochen im Voraus per Brief von Ihrem Netzbetreiber angekündigt.
- Ausweispflicht: Jeder Techniker besitzt einen gültigen Lichtbildausweis des Netzbetreibers oder des beauftragten Dienstleisters.
- Keine Barzahlung: Techniker werden Sie niemals um Bargeld bitten. Alle Arbeiten sind für Sie im Rahmen der Umstellung kostenlos.
- PIN-System: Viele Betreiber nutzen ein PIN-System. In dem Brief steht eine PIN, die der Techniker bei seinem Erscheinen nennen muss.
Checkliste zur Umstellung
Bereiten Sie sich optimal vor:
- - Zugang zu allen Gasgeräten (Heizung, Boiler, Herd) sicherstellen
- - Ggf. Hund wegsperren oder Kellerraum aufräumen
- - Eventuelle Vorbescheide des Schornsteinfegers bereithalten
Was passiert, wenn ich den Termin ignoriere?
Die Anpassung Ihres Gasgeräts ist eine Sicherheitsmaßnahme. Ohne Umstellung kann der Netzbetreiber am Tag X die Lieferung von H-Gas in Ihr Gerät nicht verantworten (Gefahr von Verrußung, CO-Bildung oder Schäden). Werden Termine mehrfach ignoriert, ist der Netzbetreiber gesetzlich verpflichtet, den Anschluss aus Sicherheitsgründen zu sperren. Daher: Nehmen Sie die Termine wahr oder vereinbaren Sie rechtzeitig einen Ersatztermin.
Ändert sich mein Gaspreis durch die Umstellung?
Rein rechnerisch ändert sich für Sie nichts. Da H-Gas einen höheren Brennwert hat, benötigen Sie weniger Volumen (m³), um die gleiche Wärmemenge zu erzeugen. Ihr Gaszähler wird also langsamer laufen. Da die Abrechnung ohnehin in Kilowattstunden (kWh) erfolgt (siehe unseren [Gaszähler-Umrechner](gaszaehler-umrechner.html)), bleibt die Rechnung bei gleichbleibendem Heizverhalten stabil.
Einzig die Netzentgelte können sich regional leicht erhöhen, da die Kosten für das milliardenschwere Umstellungsprojekt auf alle Kunden in Deutschland verteilt werden. Doch dieser Effekt ist im Vergleich zur allgemeinen Energiepreisentwicklung meist minimal.
Häufige Fragen (FAQ)
Muss ich meinen Gasanbieter informieren?
Nein. Die Umstellung wird vollständig durch Ihren lokalen Netzbetreiber organisiert. Ihr Gasanbieter (der Ihnen die Rechnung stellt) wird automatisch über die geänderte Gasqualität in Ihrem Netzgebiet informiert.
Was passiert mit meinem alten Gasherd?
Auch dieser wird angepasst. Techniker tauschen meist die kleinen Düsen unter den Kochstellen aus. Danach brennt die Flamme wieder in optimalem Hellblau.
Kann ich die Umstellung ablehnen?
Nein. Es handelt sich um eine zwingende technische Notwendigkeit für den Weiterbetrieb Ihres Gasanschlusses. Die Kooperationspflicht ist gesetzlich festgeschrieben.